Igel

Die verpasste Schlagzeile

"Radiohören und Fernsehen per Internet immer beliebter" titelt das Statistische Bundesamt seine Pressemeldung von heute. 14,2 Millionen Menschen in Deutschland sollen im ersten Vierteljahr 2008 privat über das Internet Radio gehört oder Fern gesehen haben. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Zuwachs von rund 38%. Wenn das mal keine frohe Botschaft für die öffentlich-rechtlichen Sender im Kampf um die PC-Gebühr ist.

Der erste Haken an der Sache: Es ist nicht unbedingt eine Nutzung im Sinne von regelmäßig reinhören oder reinschauen gemeint, wie man es bei TV- oder Radiogeräten erwarten würde, sondern: Hier wird jeder gezählt, der mindestens einmal im gesamten Quartal die Möglichkeit von Webradio oder -TV ausprobiert hat.

Und: In den Zahlen des Bundesamtes tauchen weder das Anschauen von Videodateien noch das Hören von Audiodateien auf. Es könnte also sein, dass z.B. die Nutzung der Videoangebote bei TV-Sendungen einfach mitgezählt wurde. Die ist aber rundfunkgebührenrechtlich nicht relevant.

Beim Webradio konnte auch die ARD-ZDF-Online-Studie eine stolze Quote von 23% der Onlinenutzer über 14 Jahre melden, die zumindest gelegentlich (=mind. ein einzige Mal) diese Möglichkeit nutzen. Das Statistische Bundesamt kommt für die über 16-Jährigen auf 27,1%. Die gleichfalls repräsentative Studie der Öffentlich-Rechtlichen hatte jedoch keine große Steigerung zwischen 2007 und 2008 anzubieten.

Und dann bliebe noch, die Zahlen im Gesamtzusammenhang Internet zu sehen. Welche Web-Beschäftigungen sind bei Bundesbürgern ab 16 Jahren laut Bundesamt beliebter als Radiohören im Netz? (siehe S. 33 der Erhebung, Downloadlink nur über die Pressemitteilung erreichbar)

Natürlich ist Platz 1 die E-Mailnutzung (88,7%); Weiter: Infosuche zu Produkten (87,8%), Infosuche bei Behörden (57,4%), Reisebuchungen (56%), Gesundheitsinfos suchen (53,8%), Online-Banking (50,6%), Herunterladen von amtlichen Formularen (37,6%), Nutzung für Lernzwecke (36,9%), Softwaredownloads (33,9%), Suche nach Ausbildungs-/Kursangeboten (31,6%), Zeitung-/Magazinlesen (27,9%) und dann kommt Radio-TV-Nutzung auf Platz 12 mit 27,1% knapp vor dem Absenden ausgefüllter amtlicher Formulare mit 24,7%.

Die Schlagzeile des Statistischen Bundesamtes hätte also treffender heißen können: Rundfunk per Internet beliebter als das Online-Ausfüllen amtlicher Formulare. Darauf könnten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter zu Recht stolz sein.


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