Igel

Igel-Value-Test

Stefan Niggemeier, Medien-Journalist u.a. bei der FAZ, hat für „Aus Politik und Zeitgeschichte“ einen Essay zum Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geschrieben. Titel: Selbstbewusst anders sein.

Wer sich für das Programm der Gebühren-Anstalten noch interessiert, wird dort eine fundierte Analyse des Ist- und Sollzustandes finden.

Mangels Radio und Fernseher interessiert mich das Programm nur am Rande. Was ich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk mitkomme, sind lediglich Texte, die sich im Internet finden und meist einen Bezug zur Rundfunkgebühr haben.

Doch auch aus diesen wenigen Schnipseln ergibt sich für mich ein einfacher Test, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk seiner Funktion gerecht wird.

Was ist seine Funktion? Aus der Grundversorgung mit Rundfunkprogrammen aller Art ergibt sich eine Verpflichtung zu einer ausgewogenen Berichterstattung über alles, was gesellschaftlich relevant ist. Man spricht auch gerne von der „Wächter-Funktion“ der Medien.

Diese Wächter-Funktion kann nur wahrnehmen, wer an seine journalistische Arbeit einen hohen Qualitätsanspruch stellt. Dieser betrifft die Tiefe der Recherche, die Fähigkeit komplizierte Sachverhalte zu vermitteln sowie das Einnehmen eines neutralen Standpunkts, der einen nicht die Objektivität verlieren lässt.

Der Versuch, objektiv zu bleiben, ist so lange kein Problem wie der Berichterstatter eine Distanz zu den Geschehnissen hat, die eigenen Interessen unberührt sind.

Qualitativ interessant wird es, wenn der Berichtende selbst betroffen oder eigentlich Partei ist. Wie sieht es dann mit der professionellen Distanz zum Objekt der Berichterstattung aus? Hier stelle ich an die öffentlich-rechtlichen Anstalten den Anspruch, dass sie sich bemühen, diese Qualitätshürde zu überwinden. Der Unterschied zwischen privat geführten Medien und denen im öffentlichen Auftrag muss daran deutlich werden.

Wird er das? Nein. Sobald die Anstalten ihre eigenen Interessen berührt sehen – z.B. beim Thema Rundfunkgebühren –, schlagen sie gnadenlos zu, unter Verlust jeglicher journalistischer Qualität. Beispiele finden sich hier im Blog und auf der Igel-Website. Der Schein an Objektivität bleibt nur für jene erhalten, die keinerlei Themenkenntnisse besitzen und gewohnheitsmäßig auf die Neutralität der Sender vertrauen.

Die Anstalten demonstrieren damit, was Rundfunk so gefährlich und seine Regulierung notwendig macht: Die interessegeleitete Beeinflussung von Menschenmassen. Was als Medizin für eine gesunde Demokratie gedacht war – Rundfunk unabhängig vom Staat oder großen Konzernen –, entwickelt sich zum Gift der Meinungsmache im eigenen Interesse.

Nur wenn die Medizin zum Gift wird, sollte man die Finger davon lassen. Daher brauche ich auch weiter keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der seinen Auftrag im Eigeninteresse pervertiert.


Kommentare
De "Verlust jeglicher journalistischer Qualität" ist aber auch schon dadurch gegeben, dass die Nachrichten, die gebracht werden, meist nicht mehr vollständig vorgetragen werden, sondern öfter immer mit Hinweis "Mehr finden Sie auf unserer Internetseite xy" abgewürgt werden.

Man könnte fast meinen, bei den Nachrichtenredakteuren gäbe es einem Wettbewerb, wer in einer Woche am meisten Hinweise auf den Internetauftritt unterbringen kann. Nur geht diese Hinweiszeit immer zulasten eigentlicher Meldungen und kommen meist mehr als einmal vor.
#1 Harald Simon am 08.03.2009 11:44 (Antwort)
Der "Verlust jeglicher journalistischer Qualität" zeigt sich daran, daß - wie bereits vom Vorredner beschrieben - Nachrichten nur noch unvollständig und undifferenziert vorgetragen werden. Mit großer Selbstverständlichkeit wird davon ausgegangen, daß jeder Bürger einen Internetzugang hat und damit auch zusätzliche Inhalte der Öffentlichrechtlichen Sender abfragen will.

Wer jedoch keinen Internetzugang hat, wird damit von der Grundversorgung ausgegrenzt. Genaugenommen scheint es Absicht der verantwortlichen zu sein, den Bürger ins Internet zu drängen.
#1.1 anonym am 08.03.2009 17:41 (Antwort)
Always look on the bright side: Der ständige Hinweis aufs Internet kann man als Eingeständnis verstehen, dass man im TV nur das Seichte und Oberflächliche anbieten kann. Wer tiefer einsteigen will, muss ins Netz. Dumm nur, dass das Netz keine Grundversorgungszone ist. Oder hat schon mal jemand von Grundversorgung mit einer Verfallzeit von 7 Tagen gehört?
#1.1.1 Hans-Peter Kraus (Homepage) am 08.03.2009 18:06 (Antwort)
Die Sender drängen ins Internet und da muss man also auch den Zuschauer hinbringen.

Angst davor, dass der sich dann sonstwo umsieht, müssen die Sender aber nicht haben. Ich bin im Rahmen meiner EDV Betreuungen immer wieder erstaunt, wie wenig Internetkompetenz die meisten Anwender haben. Da muss man schon froh sein, wenn die eine Webadresse richtig eingeben können, die Seite dann auch angezeigt bekommen und dann der Scrollbalken rechts entdeckt wird. Von fortgeschrittenen Aktionen wie Google richtig benutzen will ich jetzt gar nicht anfangen.

Da ist berieseln lassen einfacher, da muss man nichts tun. Und genau deshalb werden die "bereit gestellten Informationen" nicht angeschaut, das macht ja Arbeit.

Und um das "Seichte und Oberflächliche" aufzugreifen, ich war gestern beim Kabarettisten Volker Pispers, der das schön zusammengefaßt hat:

Nicht alles, was im Fernsehen läuft, ist gut.
Aber das meiste Gute läuft nicht im Fernsehen.
#1.1.2 Harald Simon am 08.03.2009 18:42 (Antwort)

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