Igel

Vielen Dank für die ARD-/ZDF-Onlinestudie 2009

Die beiden wichtigsten und von öffentlich-rechtlicher Seite meist unerwähnten Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie2009 hat bereits Harald Simon genannt. Mindestens einmal pro Woche nutzen 12% der Onliner Radio-Livestreams, TV-Live kommt auf 6%. Sie landen damit auf Platz 12 bzw. 17 von 24 abgefragten Nutzungsarten im Internet.

Wenn man weiß, dass im Jahr 2004, als die Entscheidung über die PC-Gebühr fiel, die Radio-Livequote bei 6% lag, dürfte eine Ausweitung der PC-Gebühr auf TV-Höhe nichts mehr im Wege stehen.

Welchen Realitätsgehalt die Gleichbehandlung von Rundfunkempfängern und PCs hat, zeigt die Onlinestudie jedoch ebenfalls: drei Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen Webradio täglich, bei herkömmlichen Geräten sind es 75% (S. 344).

Auf die gefeierten Zahlen zur Videonutzung im Netz (S. 342) gehe ich nicht weiter ein. Wie diese „Hochrechnungen“ zustande kommen, hab ich bereits anlässlich der Studie von 2008 zu erklären versucht. Interessant ist nur, dass man sich im weltweiten Trend sieht und dabei ausgerechnet Comscore als Zeugen heranzieht. Comscore ist Lieferant für nicht-repräsentative Superzahlen, die BITKOM regelmäßig nutzt. Dass andere deutsche repräsentative Umfragen nur halb so große Werte bei der Videonutzung ermitteln, wird nicht erwähnt und damit spart man sich peinliche Erklärungsversuche.

Andrerseits bleiben die Autorinnen der Studie im Fazit sehr sachlich. So sehen sie weiterhin keine „konkurrierende Beziehung“ zwischen Internet und Rundfunk (S. 347). Auch die höheren Audio-Video-Nutzungswerte bei Jugendlichen, die regelmäßig vor Gericht zitiert werden, seien kein Indiz für eine grundsätzliche Verschiebung Richtung Internet, denn: „Gleichzeitig lässt sich jedoch heute auch recht gut belegen, dass mit zunehmendem Lebensalter und mit zunehmender Einbindung in feste Berufs- und Familienstrukturen linear verbreitete Programmangebote an Bedeutung gewinnen.“ (S. 348)

Und dann ist da noch der Höhepunkt der Studie, der ziemlich am Anfang platziert ist (S. 338). Befragt wurden Onliner, die verschiedene Medien mehrmals im Monat nutzen. Für die vier Medien TV, Radio, Tageszeitung und Internet sollte jeweils angegeben werden, welcher Nutzungsgrund für ein Medium am ehesten zutrifft.

Dabei zeigt sich, dass Information als Nutzungsgrund eher bei Tageszeitung und Internet angesiedelt wird. 62% gaben an, dass der Informationswunsch am ehesten bei diesen Medien zutrifft, für TV und Radio galt das nur bei 38%. Auch Denkanstöße bekommen 54% der Nutzer am ehesten bei den Textmedien, nur 45% beim Rundfunk.

Klarer Gewinner sind Radio und Fernsehen beim Kuscheln und Berieseln lassen. So gaben 73% an, dass der Wunsch Einsamkeit zu überwinden als Nutzungsgrund am ehesten auf den Rundfunk zutrifft, den Alltag vergessen können 74% am besten bei Radio und TV und 82% suchen dort Entspannung, 17% bei Zeitung und Internet.

Das paradoxe Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass Onlinenutzer, die per PC-Gebühr zur Kasse gebeten werden, ein Medium finanziell unterstützen sollen, das am ehesten soziale Bedürfnisse wie Unterhaltung befriedigt, weil sie selbst ein Medium nutzen, dem sie in erster Linie Informationscharakter zurechnen.

Womit ARD und ZDF mal wieder viel Geld und Mühe aufgewendet hätten, um zu zeigen, wie schlecht es um die Legimitation der Rundfunkgebühr bestellt ist. Vielen Dank dafür.


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