Igel

5.700.000 Stunden fantastischer Fußball

Wer sich nicht für Computer besonders interessiert, kennt möglicherweise die Computerzeitschrift c’t nicht. Sie ist so etwas für Computer wie der Spiegel mal für die Politik war. Die c’t hält auf ihre Unabhängigkeit – Produkttests nehmen keine Rücksicht auf Werbekunden, Inhalte keine auf die Leser: Sind ihm die Artikel zu hoch, muss er halt was Anderes lesen.

Dieser Leuchtturm des Fachjournalismus hat allerdings auch seine schwachen Seiten, wie die aktuelle Ausgabe zeigt. In der Einleitung zum vierseitigen Report „WM-Streaming“ heißt es:

>> Um das Internet-Streaming in einer fußballbegeisterten Nation wie Deutschland zu bewältigen, mussten die Sender gehörigen technischen Aufwand betreiben. Wir haben einen Blick hinter die Kulissen von sportschau.de geworfen. <<

Die Autoren schildern in typischer c’t-Fachchinesisch-Manier welche technischen Handstände bei der ARD vollzogen werden mussten, um das Livestreaming im Internet möglich zu machen. Was allerdings völlig fehlt, ist eine kritische Distanz zum Objekt des Berichtes. Man erfreut sich an der technischen Glanzleistung über 180.000 Nutzer via Internet gleichzeitig bedient zu haben, als ob das Problem, Millionen von Zuschauern live an einem Ereignis teilnehmen zu lassen, nicht seit Jahrzehnten auf andere Weise technisch gelöst wäre. Am Schluss heißt es gar: „Die Fans konnten damit mehr als 5 700 000 Stunden fantastischen Fußball genießen.“

Dieses Schwelgen in Superlativen, dass Spielminuten mit Livestreamnutzern multipliziert oder gleich in „Alles super“-Manier fantastischen Fußball für sich reklamiert, ist typisch für Werbung oder aus dem Ruder gelaufene PR. Und tatsächlich: Die Autoren des Artikels sind keine c’t Redakteure, sondern zwei Mitarbeiter des SWR und der Geschäftsführer eines beteiligten Unternehmens, das natürlich im Artikel nicht unerwähnt bleibt, wie einem Textkasten über die Autoren auf der letzten Seite des Artikels zu entnehmen ist.

Was als Blick hinter die Kulissen durch die c’t („wir“) angekündigt wurde, war in Wirklichkeit ein Selbstdarstellungstext der Beteiligten. Der verantwortliche Redakteur konnte jedoch darin kein Fehlverhalten sehen. Er könne nicht sehen, was es mit PR zu tun hätte, wenn man eine technische Betrachtung der Infrastruktur schilderte, schrieb er mir. Auf den Vorwurf, den Artikel falsch angekündigt zu haben, ging er gar nicht ein.

So bleiben der c’t 5,7 Mio. Stunden fantastischer Fußball und ein Abo weniger.

Der Springer-Wahnsinn: Die "BILD"-Gebühr soll kommen

Heise online berichtet, dass Christoph Keese vom Springer-Verlag bei der Auftaktveranstaltung des Kölner Medienrechtforums erklärt hat, wie sich die Verleger ihr geplantes Leistungsschutzrecht vorstellen. Demnach soll für alle gewerblich genutzten PCs eine Gebühr zugunsten der Verleger erhoben werden, die diese dann in einer Verwertungsgesellschaft unter sich aufteilen.

Damit würde nicht mehr nur öffentlich-rechtlicher Dudelfunk oder Unterhaltungs-TV die Gnade der Gebühr erfahren, sondern auch die "BILD"-Zeitung höchstpersönlich.

Mein Vorschlag: Bei der Rundfunkgebühr hat es sich nicht bewährt, das rechtswidrige Umgehen als Ordnungswidrigkeit einzustufen. Da es einem einigermaßen intelligenten Menschen nicht zuzumuten ist, die "BILD"-Zeitung durch eine Gebühr zu unterstützen, sollten hier gleich Haftstrafen ohne Bewährung angewandt werden, wenn jemand die Gebühr nicht zahlt. Ich denke, es ist ganz im Sinne der "BILD", das Strafrecht möglichst rabiat zur Geltung kommen zu lassen.

Chaos bei taz? Ein Artikel wird seziert

Steffen Grimberg hat für die taz einen Artikel geschrieben, der das Urteil von Frankfurt als Aufhänger nutzt. Ich habe ihn mir durchgelesen – Satz für Satz:

1. Titel und Bild

Kleine Überschrift „Streit um PC-Gebühr“, große Überschrift „Chaos bei GEZ“. Anscheinend führt der Streit um die PC-Gebühr bei der GEZ zu Problemen. Garniert ist der Artikel mit einem Foto von einem GEZ-Schild, das laut Bildunterschrift bei der GEZ in Köln steht. Der Ort der Handlung scheint also tatsächlich die GEZ in Köln zu sein.

2. Fettgedruckte Einleitung

>> Die Gerichte entscheiden immer unterschiedlicher. Dazu passt, dass in der Medienpolitik auch die geplante Reform des Gebührenmodells auf der Stelle tritt. <<

Nur der kleine Titel wird aufgenommen und ein zusätzlicher Informations-Happen angerissen. Über das GEZ-Chaos erfährt man noch nichts. Dafür wird ein Trend behauptet. Bisher will uns Steffen Grimberg anscheinend nur neugierig machen. Nun aber her mit den Fakten.

3. Der Text

>> Ob und wann für internetfähige Computer Rundfunkgebühren gezahlt werden müssen, wird immer undurchsichtiger. Nach einem gestern veröffentlichten Urteil sieht auch das Hessische Verwaltungsgericht Frankfurt PCs nicht per se als rundfunkgebührenpflichtig an. <<

Das „Hessische Verwaltungsgericht Frankfurt“ ist wahrscheinlich der Unterscheidung von Frankfurt am Main zu Frankfurt an der Oder geschuldet. Dennoch ist die Großschreibung sowohl falsch als auch irritierend, weil man annehmen könnte, dass es um das Hessische Verwaltungsgericht als oberer Instanz geht. Die sitzt aber in Kassel und heißt Verwaltungsgerichtshof.

Allerdings hat das VG Frankfurt sein Urteil nicht veröffentlicht, sondern eine Pressemeldung dazu herausgegeben. Hätte das VG Frankfurt das Urteil tatsächlich veröffentlicht, wäre dem Artikelschreiber vielleicht aufgefallen, dass es bereits im Januar ähnlich entschieden hat, weil das Gericht im Urteilstext ausgiebig aus dem Januar-Urteil zitiert.

Selbst ohne diese Insiderkenntnisse ist der Trend kein Trend, denn bereits die ersten Urteile Mitte 2008 (z.B. in Koblenz und Ansbach) boten die gesamte Spannweite von totaler Ablehnung bis zur bedingungslosen Befürwortung der PC-Gebühr. 

Im nächsten Absatz gibt Steffen Grimberg das Urteil in aller Kürze richtig wieder und erwähnt die GEZ, wo der Kläger bereits private Geräte angemeldet hatte. Wo soll er sie auch sonst anmelden?

Wichtiger wäre gewesen zu erwähnen, dass die Klage gegen den Hessischen Rundfunk gerichtet war. Die GEZ führt keine Prozesse. Dies ist eine Tatsache, die nach meiner Einschätzung noch nicht zum Allgemeinwissen gehört. Das Chaos bei der GEZ bleibt weiter im Dunkeln.

>> Verschiedenen Gerichte haben seit Auslaufen der bis 2006 gültigen Gebührenbefreiung für PCs (im Amtsdeutsch "neuartige Empfangsgeräte") Ende 2006 höchst unterschiedlich über die Gebührenpflicht geurteilt.<<

Der Satz ohne die störende Klammer sollte wahrscheinlich heißen: Verschiedene Gerichte haben seit Auslaufen der Gebührenbefreiung für PCs Ende 2006 höchst unterschiedlich über die Gebührenpflicht geurteilt.

Neben dem leicht überlesbaren Grammatikfehler: „Verschiedenen“ erweckt die tatsächliche Version den Eindruck, die Gerichte hätten Ende 2006 Entscheidungen getroffen. Urteile gab’s aber frühestens Mitte 2008.

Dadurch dass die tatsächliche Zeitlücke zwischen Ende des Moratoriums und Beginn der Urteilsserie unerwähnt bleibt, kann der Autor nichts über die GEZ einflechten, die dabei eine wichtige Rolle gespielt hat, indem sie nur sehr zögerlich Bescheide herausrückte. Doch das mit dem GEZ-Chaos kommt sicher noch.

Im nächsten Absatz stellt der Autor dar, dass die Reform weg vom aktuellen Modell, „nach dem jedeR GerätebesitzerIn automatisch an die GEZ zahlen darf“, eigentlich diesen Herbst vorgestellt werden sollte.

Hier beginne ich ernsthaft etwas zu vermissen, was im Internet selbstverständlich ist: Links. Woher hat der Autor die Information über den Zeitpunkt Herbst? In meinem Archiv finde ich nur die Ankündigung bis zum Sommer 2008 eine Reform durchzurechnen, aber sich erst für 2013 zu entscheiden. Jetzt schon etwas in der Öffentlichkeit vorzustellen, wäre wegen der zu erwartenden flammenden öffentlichen Diskussion töricht.

Auch hier wird noch mal die GEZ erwähnt, aber immer noch kein Chaos. Die Erwähnung der GEZ ist allerdings so überflüssig wie die Erwähnung, dass man Einkommensteuer ans Finanzamt zahlt. An wen sonst?

Der angegebene Automatismus entsteht jedoch erst durch die Reform, wonach jeder zahlen muss, egal ob er Geräte hat oder nicht, jetzt muss man seine Geräte noch anmelden. Ich lese hier eine Präferenz für die Reform heraus, die dem Leser unterschwellig mitgegeben wird. Gebe aber zu, dass das an meiner Abneigung gegen die Zwangseingliederung in die Gemeinschaft der Couch-Potatoes liegen kann.

Im folgenden Abschnitt erwähnt Steffen Grimberg noch die Pro-Kopf-Pauschale als weitere Alternative und schreibt:

>> Anders als in anderen europäischen Staaten kann die Gebühr in Deutschland wegen des Gebots der Staatsferne im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht vom Finanzamt eingezogen werden. <<

Wieder sehne ich mich nach einem Link. Mein Wissensstand ist der, dass die Kopfpauschale längst aus dem Rennen ist. Und ob schon allein der Einzug über das Finanzamt die Staatsferne gefährdet, ist eine subjektive Einschätzung des Autors. Dadurch dass sie völlig ohne Zweifel als Tatsache präsentiert wird, entgeht dem Leser jedoch, dass dies nicht unbedingt eine gängige Rechtsauffassung ist im Sinne einer „herrschenden Meinung“, wie die Juristen sagen.

Und dann sind wir schon beim letzten Satz:

>> Will heißen: Die GEZ bleibt uns in jedem Fall erhalten. <<

Und immer noch kein Chaos bei der GEZ, sondern eine Prognose über ihren Bestand.

4. Der Autor

Steffen Grimberg ist seit dem Jahr 2000 Medienredakteur bei der taz (Quelle). Er ist auch in der journalistischen Hochschul-Ausbildung tätig und erhielt den Bert-Donnepp-Preis 2008, der „vom Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises als Deutscher Preis für Medienpublizistik gestiftet“ wird, für seine „Unabhängigkeit, Substanz und Haltung“ bei Berichten und Kommentaren.

5. Fazit

Dieser Artikel mit einer Überschrift, die in die Irre führt, einem Trend, der keiner ist, Schreib- und sachlichen Fehlern, zeigt, dass man mit einer professionellen Schreibe vieles zudecken kann. Der viel zitierte Qualitätsjournalismus wäre danach nicht als Fakt, sondern als Hoffnung zu definieren, dass ein Journalist bei Dingen, die nicht unmittelbar überprüfbar sind, richtig berichtet. Meine Hoffnung schwindet allerdings von Jahr zu Jahr.

PS: Chaos bei taz? Horst Müller bei blogmedien vermisst eine Korrekturfunktion im taz-Management der Website. Kommentare verpuffen anscheinend wirkungslos.

Nachtrag 25.10.: Meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Termins Herbst 2009 für die Vorstellung eines Reform-Modells werden unterstützt von einer aktuellen ddp-Meldung (etwas bearbeitet bei rp-online), wonach 2011 ein Konzept stehen soll.

Aus Tageszeitungen werden Monatszeitungen

Falls jemand mitbekommen hat, dass auf vielen Presse-Seiten ein Frankfurter Urteil zur PC-Gebühr gemeldet wird, und sich wundert, dass beim Igel keine Meldung dazu kommt. Das Urteil ist mehr als einen Monat alt

Vor zwei Wochen habe ich etwas daraus zitiert, obwohl das Urteil jetzt erst vom VG Frankfurt gemeldet wurde, geschickterweise ohne Datum des Urteils.

In der Datenbank hessischer Urteile ist es noch nicht enthalten.

Wenn sich Zeitungen angewöhnen würden, das Internet für die Recherche nach Neuem zu nutzen, statt auf Presseverlautbarungen zu warten, dann hätten sie vielleicht auch heute noch die Bezeichnung Tageszeitung verdient, aber so ...

Was verlegen eigentlich Verleger?

Der Verleger Hubert Burda fühlt sich in der FAZ enteignet, weil Google im Netz Geld verdient und er anscheinend nicht genug. Der Gesetzgeber sei in der Pflicht, den Verlegern das Recht zuzubilligen, "an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren." 

Was den Herrn Burda stört ist, dass Google durch seine Suchergebnisse mit anderer Leute Inhalte Geld verdient. Wieso wird dann nicht einfach verhindert, dass Google Inhalte in seinen Index aufnimmt? Ganz einfach: Weil Google Besucher bringt. Weil Google mit dieser kostenlosen Leistung über die Werbung auf Presseseiten Geld in die Kasse spült.

Und dann wär da noch die Frage, warum Verleger im Netz kein Geld verdienen. Wenn ich mir die Art und Weise anschaue, in der Anzeigen auf Presseseiten platziert werden, könnte man meinen, die Anzeigen sind dazu da zu verhindern, dass jemand drauf klickt. Aber es könnte auch daran liegen, dass verlegerische Preismodelle geradezu phantastisch sind. Denn die FAZ bietet das Burda-Pamphlet für zwei Euro zum Lesen an. Die gesamte FAZ eines Tages kostet 1,90.

Wäre der Artikel frei verfügbar, bekäme er mit Sicherheit viele Links. Und Links sind nun mal die neue Währung im Internet. Nur wer gelinkt wird, hat Chancen auf gute Platzierungen in Suchmaschinen, auf viele Besucher und damit auf Einnahmen. (Nachtrag 16:58: Der Artikel ist jetzt komplett online.)

Anscheinend ist es so, dass weil Verleger den kreativen Teil ihres Hirns verlegt haben, jetzt der Staat einspringen soll, um eine Gesetzesprothese einzusetzen.

Tageszeitungen verlieren ungebremst Auflage

Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträger, besser bekannt unter dem Kürzel IVW, hat die Quartalszahlen für das erste Quartal 2009 bekannt gegeben. Demnach haben Tageszeitungen durchschnittlich 23,36 Mio. Exemplare verkauft, ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 580.000 Stück, ein Minus gegenüber den Vorvorjahr von 1.110.000 Stück, ein Minus gegenüber dem Vorvorvorjahr von 1.530.000 Stück, ein Minus gegenüber dem ersten Quartal 1999 von 5.710.000 Exemplaren, was rund 20 % der Auflage entspricht.

In bewährter Tradition titelt die IVW "Gesamtauflagen der deutschen Presseerzeugnisse mit leichter Erholung zum Jahresanfang" und deckt damit zum wiederholten Male zu, was tatsächlich im Printmarkt passiert.

Schiller ist sexy

Wenn ich wissen will, was es Neues im Bereich Rundfunk/Rundfunkgebühren gibt, gucke ich u.a. bei gebuehrenstop.de. Dort wurde gestern auf eine Meldung bei sz-online verwiesen, wonach die GEZ bei einer sächsischen Grundschule in Erfahrung bringen wollte, ob der Namensgeber Friedrich Schiller Rundfunkgeräte bereithalte. Am Abend bekam ich noch mal von einem Igel-Leser einen Hinweis auf die Geschichte.

Ich hab sie nicht gebracht, weil mir das zu trivial ist. Die GEZ arbeitet nunmal nach dem Spam-Prinzip, kauft Adressen ein, wo sie solche kriegen kann, und dann wird eben Hund, Katze oder Schiller angeschrieben.

Doch für Spiegel, Focus und Welt online war Schiller sexy genug, um die Meldung zu verbreiten. Dazu beigetragen hat, dass die Nachrichtenagentur AP aus der sz-online-Geschichte eine Meldung gemacht hatte. Also brauchte man nur ein wenig umzuformulieren, mit Schiller-Zitaten würzen, schon hatte man eine nette kleine Geschichte.

Dass auf diese Weise in den großen Nachrichtenportalen die gleichen falschen Darstellungen stehen, ist wiederum eine andere Sache. Denn Herr Schiller sollte mit Sicherheit nicht "Angaben zu seinem aktuellen TV- und Radiokonsum machen".

Der interessiert bekanntlich überhaupt nicht, denn das Bereithalten eines Gerätes ist völlig ausreichend für die Gebührenpflicht. Dazu gibt es eine interessante Geschichte. Allerdings muss man dafür recherchieren, sich mit Gesetzestexten auseinandersetzen. Und das ist ziemlich unsexy.

Nachtrag 02.10.: Die FAZ will auch mal und schickt ihren Chefkritiker der öffentlich-rechtlichen Sender, Michael Hanfeld, an die Front. Der übernimmt die Konsumfrage und berechnet 200 Jahre Gebühren nach, was man als satirische Überzeichnung durchgehen lassen kann. "Auch wäre die Provision für den Gebühreneintreiber beträchtlich", zeugt dann aber von bloßer Unkenntnis. Denn hier hat die GEZ ganz allein Mist gebaut und die beschäftigt keine Gebühreneintreiber.

Siehe auch: Aufklärungsversuch über die Sache mit den drei Buchstaben und Adam Riese in der Straßenbahn

Geht doch!

Nachdem der NDR als eine der letzten Anstalten darauf verzichtet hat, seine Gebührenbeauftragten als GEZ-Männer auszugeben, klappt's nun auch mit der lokalen Berichterstattung. Die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt heute:

>> Hannelore Karstädt ist immer noch aufgewühlt von dem Besuch des „Rundfunkgebühren-Beauftragten“, wie die Eintreiber der monatlichen Gerätesteuer bezeichnet werden. Zwar verwaltet die GEZ in Köln die Gelder, eingetrieben werden sie aber unter dem Logo der jeweiligen Landesanstalt. <<

GEZ und Beauftragter schön säuberlich getrennt und nach dem Fehlverhalten des Beauftragten befragt wird am Schluss des Artikels der NDR selbst. Geht doch!

Siehe auch: Aufklärungsversuch über die Sache mit den drei Buchstaben

Propaganda! Propaganda!

Als ich vor knapp zwei Jahren eine Seite beim Gebühren-Igel zum Thema "Öffentlich-rechtliche Propaganda" zusammenstellte, meinte ich das mit einer vorangeschobenen Erklärung abfedern zu müssen. Denn Öffentlich-rechtliche Sender und Propaganda, das sind zwei Begriffe, die so gar nicht zusammen gehören sollten.

Heute benutzen FAZ und Süddeutsche den Begriff mit aller Selbstverständlichkeit, weil das ZDF in der Halbzeitpause des Kahn-Abschiedsspiels ein Propagandastück abgeliefert haben soll.

Wie immer, wenn die Zeitungen aufwachen, geht es um die Frage, was öffentlich-rechtliche Anstalten im Internet dürfen. Schade eigentlich, dass sie in Sachen PC-Gebühr nie richtig aufgewacht sind und sich z.B. bei den Zahlen und ihren Einschätzungen, die von den Anstalten kommen, nur aufs Nachplappern beschränken.

Was ist wichtig?

Wenn Spiegel online, die Süddeutsche und die FAZ am gleichen Tag über etwas berichten, dann muss das wichtig sein. Denn – so wird uns immer erklärt – Blogger labern nur, Journalisten wählen aus, sortieren ein, zeigen, was wichtig ist.

Wichtig ist demnach, dass heute eine neue Vorabendserie bei RTL und eine Telenovela bei SAT1 starten. Man stelle sich vor, eine Zeitung würde eine neue Artikelserie bringen. Wäre das Echo im Fernsehen genauso groß? Wohl kaum.

Die Artikel sind größtenteils natürlich kritisch, weil mit Verstand solche Serien wahrscheinlich kaum zu ertragen sind. Aber wo ist der Nachrichtenwert beim Verriss einer Soap? Machen sich diese Publikation nicht einfach nur zum Steigbügelhalter für Populärschrott im TV, wenn sie so etwas thematisieren?

Statt den Werbefeldzug der Sender mit öffentlicher Debatte zu honorieren, wäre eisiges Schweigen angebracht. Das Seltsame ist nämlich: Selbst wer wie ich seit langer Zeit keinen Fernseher mehr hat, wird einfach nur bei Durchsicht der Internetseiten von Zeitungen und Zeitschriften über alles, was im TV läuft, informiert.

Als beispielsweise die Moderatorin einer abendlichen ARD-Politik-Talkshow ihren „Rücktritt“ bekannt gab, erweckte die Nachfolgediskussion bei mir den Eindruck, es würde ein neuer Bundeskanzler gesucht.

Zeitungen und Zeitschriften, die jeden Piep im Fernsehen zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen, bauen für die künstliche TV-Welt eine Relevanz auf, die sie gar nicht verdient.

So ist es kein Wunder, wenn öffentlich-rechtliche Sender, die sich selbst als Elite des Mediums Fernsehen betrachten, mit aller Selbstverständlichkeit den Anspruch stellen, im Internet einen Logenplatz zu bekommen.

PS: Keine Links, weil ich den Artikeln über Nicht-Relevantes keine Relevanz geben will. Die Artikel sind aber in der jeweiligen Rubrik Kultur nicht zu übersehen.

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